Zum Geburtstag zur IM European Championship nach Frankfurt

Erst seit kurzem bin ich, Dirk, Mitglied der Triathlonabteilung. Als frischgebackener Athlet der AK 50 wurde der 30.06.2019 in Frankfurt auch für mich zum längsten Tag des Jahres und sollte als meine erste Langdistanz überhaupt das etwas andere Geburtstagsgeschenk sein (7 Tage vorher wurde das 2. halbe Lebensjahrhundert eingeläutet!). Und, was soll ich sagen… es war ein geniales Rennen und ein geiles Gefühl! Mit Platz 63 in der AK 50 und einer Zeit von 11h 51min 25sek bin ich sehr zufrieden und darf mich nun „Ironman“ nennen.

Und da bei diesem Rennen doch so einiges schiefgelaufen istund ich viele Fehler eingebaut habe, weiß ich, dass da noch ganz viel Luft nach oben ist. Fassen wir mal zusammen…

Man sollte am Wettkampfmorgen früh genug Vorort sein, damit ein Aufwärmen und Einschwimmen möglich ist. Dann laufen auch die Vorbereitungen am Rad kontrollierter und man vergisst dabei nicht, die Verschlüsse der Radschuhe zu öffnen. Der Start selbst war aber auch für mich ein unbeschreiblich erhabenes Gefühl. Die Einstimmung auf das Rennen mit den tausenden anderen Athleten, den Start der Profis, all das habe ich mit Gänsehaut genießen können.

Der Rolling Start war recht angenehm. Weniger angenehm waren die ersten 600 Meter. Da ich mich nicht eingeschwommen hatte, brauchte ich recht lang um meinen Rhythmus zu finden. Das gepaart mit dem Adrenalin und der doch recht vollen Schwimmstrecke ließen Herzfrequenz und vor allem den Luftbedarf in ungeahnte Höhen steigen. Das hat mich gefühlt viel unnötige Zeit gekostet. Aber nach der ersten Boje war ich so langsam drin und nach dem Landgang konnte ich das Schwimmen, trotz ein paar leichter Krämpfe in den Waden, kontrolliert  und mit Spaß nach Hause bringen. Da der Neo aufgrund der Wasserstemperaturen verboten war, hatte ich mir am Vortag noch einen Swimsuit zugelegt und trug diesen über dem Rennanzug. Ich war überrascht, dass das doch so deutlich spürbar unterstützt…

Der Ausstieg lief problemlos, noch schnell einen aufputschenden Kuss von meiner Frau abgeholt und ab in die Wechselzone. Hier lief alles glatt, ich ließ mir auch genügend Zeit und merkte erst nach dem Aufstieg auf mein Rad, dass es mit verschlossenen Schuhen schwer wird, in diese hineinzuschlüpfen. Bis ich dann endlich soweit war, um in die Aeroposition zu gehen, verging eine gefühlte Ewigkeit. Aber dann lief auch das… und es lief zu gut! Die Folge war ein Überpacen, wobei ich die Wattmessung eigentlich stets im Blick hatte – Übermut also, der viel Energie kostete. Aber die ersten etwa 120 km der Radstrecke waren echt toll. Die 72 km/h bergab waren atemberaubend. Dann ereilte mich allerdings ein Plattfuß – Gott-sei-Dank am Vorderrad, das ging schnell zu wechseln. Etwas später aber hatte ich die Wahl, einem Athleten, der in einer Kurve nach links ausscherte, ins Rad zu fahren oder zu bremsen. Ich nahm Variante 2 und legte mich prompt flach. Ein Hoch auf die Zuschauer, die mich und mein Rad sofort von der Strecke holten, mich mit Wasser und anfeuernden Worten versorgten  und nach kurzer Inspektion von Knie und Rad entschied ich mich, weiterzufahren. Die letzten 65 km wurden dann aber schon quälender. Es kamen Krämpfe in den Oberschenkeln, die ich aber rausdehnen konnte… und natürlich hätte ich viel früher mit dem Zuführen von Salz beginnen müssen. Der Ernährungsstrategie fehlte es ganz offensichtlich an Struktur und vor allem an Konsequenz!Aber ich bekam es erstmal in den Griff und erreichte die zweite Wechselzone am Mainkai.

Das Abbiegen in Richtung Römer war der Hammer. Schon dort kommen einem die Wahnsinnsstimmung und tausende Hände entgegen, die abgeklatscht werden wollen. Den Zieleinlauf habe ich, wie sicher alle Athleten, als absolut phänomenal und für mich einzigartig erlebt. Gänsehaut pur, Stolz ohne Ende und von irgendwoher kamen auch die Rufe meiner Frau an mein Ohr… ihre Umarmung direkt am Ziel machten das Rennen zu einem unvergesslichen Erlebnis und sind die Belohnung für all die gewollten Strapazen im Vorfeld und auf der Strecke.

Den Wechsel zum Laufen erledigte ich in Ruhe und ohne Probleme. Aber auf den ersten Laufmetern wurde mir klar, dass der neue Trinkgürtel eine Katastrophe ist und ich damit nicht laufen kann. Tja, man sollte nicht einfach annehmen, dass die alle gleich sind und neues Equipment vorher testen! Den habe ich dann schnell abgelegt und damit die Entscheidung getroffen, auf die angebotene Verpflegung auf der Strecke zurückzugreifen und mit den Flaschen in meinem Special Needs Beutel zu kombinieren. Das lief ganz gut, wobei ich auch beim Laufen erst zu spät wieder mit Salz begonnen habe. Die Folge waren wieder Krämpfe in den Oberschenkeln in der ersten Runde. Aber mit Geduld und Zeit bekam ich das wieder in den Griff und blieb für den Rest des Marathons beschwerdefrei. Allerdings hieß dies auch konsequentes Verpflegen an jeder Aid Station mit Eis, Schwämmen, Salz und dem Rest des Angebotes. Das Ziel lautete nämlich: Ankommen… und ggfs. unter 12 Stunden bleiben. Ich merkte jetzt durchaus, dass ich auf dem Rad viel Tempo gemacht hatte. Die dritte Laufrunde war für mich die härteste. Hier hatte ich wirklich zu kämpfen, die vierte und letzte war wieder wesentlich besser vom Gefühl. Nach dem 4. Bändchen aber, als es noch zwei Kilometer bis zum Ziel waren, kamen dann die euphorischen Flügel!

Dies bedeutet? Dies war nicht meine letzte Langdistanz, ich komme wieder nach Frankfurt, dem Triathlon-Virus bin ich nun endgültig komplett verfallen und im Training des SCW müsst ihr mich nun weiter ertragen! In diesem Sinne… Bis bald!

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